28.11.2016 | ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

Stahl-Literaturpreis für moderne Romantikerin

Wenn Menschen über Heimat sprechen, wird es persönlich. So auch bei der diesjährigen Preisverleihung des Literaturpreises  der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt. Preisträgerin Thea Dorn beschäftigte sich an diesem Abend mit  der Frage "Was sind wir oder was kann uns Heimat heute noch bedeuten?".

Eine leichte Frage, mag man zunächst denken. Doch Thea Dorn zeigte auf scharfsinnige, romantisierende und manchmal auch humorvolle Weise, wie schwer auch ihr dieser Zugang gefallen war. Erst in der Ferne überkam sie dieses Gefühl nach Heimat. Es war dann aber auch der Auslöser sich näher mit dem deutschen Sein zu beschäftigen. Vor fünf Jahren veröffentlichte sie gemeinsam mit Richard Wagner "Die deutsche Seele".  Unter anderem wegen dieser tiefgründigen, kritischen  und facettenreichen Kulturgeschichte des Deutschen wurde sie am 17. November 2016 mit dem Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt ausgezeichnet.

Thea Dorn wurde 1970 geboren, schloss eine Gesangsausbildung ab, studierte Philosophie und Theaterwissenschaften in Frankfurt/Main, Wien und Berlin. Sie, die sich nach dem Philosophen  Theodor W. Adorno nennt, verfasst Romane, Essays und Sachbücher, Theaterstücke und Drehbücher und  alles mit sehr großem Erfolg. Sie moderierte die Sendung "Literatur im Foyer" im SWR-Fernsehen und die Talkshow "Paris-Berlin" auf ARTE. Für die ARD-Tatorte "Der schwarze Troll" (2003) und "Familienaufstellung (2009) schrieb sie die Drehbücher, ebenso wie für den preisgekrönten Fernsehfilm "Männertreu" (2014).  Im Jahr 2011 veröffentlichte sie gemeinsam mit Richard Wagner den Bestseller "Die deutsche Seele". In diesem Jahr erschien ihr Roman "Die Unglückseligen", "ein Paukenschlag in der deutschen Gegenwartsliteratur". Thea Dorn lebt in Berlin.  

Für das zahlreich erschienene Publikum in Eisenhüttenstadt war der Auftritt der Preisträgerin ein besonderes Erlebnis, denn Thea Dorn scheut weder die großen Themen unserer Zeit noch die Herausforderung. Sie macht auch keinen Hehl aus ihrer Bewunderung für die Zeit um 1800 und sieht durchaus Parallelen zur Gegenwart.  In der Podiumsdiskussion, hervorragend moderiert von Joachim Scholl, gab sie auch einen Einblick in ihr vielfältiges künstlerisches Schaffen.  Dieses war auch ein Thema in einem Werkstattgespräch mit Teilnehmern des Schülerschreibwettbewerbes der Stahlstiftung, das vor der Preisverleihung stattfand. 

Am Ende des Abends zeigten die bewegten Gespräche, die nach der Preisverleihung im Foyer stattfanden, dass die Besucher nicht nur gut unterhalten, sondern gedanklich angeregt nach Hause gingen.

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