Abenteuer Ausland: Ein Erfahrungsbericht

Laura Borchmann ist Auszubildende zur Industriekauffrau bei ArcelorMittal Hamburg. Zehn Wochen lang unterstützte sie das Team von ArcelorMittal Commercial Bars & Rods France in Gandrange und sammelte dabei Eindrücke, die ihr Leben bereichern. Ein Erfahrungsbericht.

Bienvenue en France
(von Laura Borchmann, ArcelorMittal Hamburg)

Nach einem traditionell süßen Frühstück in meiner Wohngemeinschaft in Metz, mache ich mich auf den leicht holprigen Weg nach Gandrange. Eine ebene, klar strukturierte Autobahn wie die A7 in Deutschland gehört nämlich nicht zu den französischen Standards. Gegen 9 Uhr morgens beginnt der Tag im Verkaufsbüro ArcelorMittal Commercial Bars & Rods France mit einem Kaffee – allerdings schwarz oder mit Zucker. Meine Gewohnheit, Kaffee mit Milch zu trinken, sorgt unter den Franzosen immer wieder für Verwunderung.

Ich fahre mit dem Auto auf das Gelände, das in der Region Lorraine, im Nordosten Frankreichs, liegt. Das Büro befindet sich auf dem 2,79 km² großen Werksgelände von ArcelorMittal Gandrange, besser bekannt unter dem Namen “Laminoir Couronnes et Bars“(=LCB).

Nachdem das Stahlwerk und das Knüppelwalzwerk 2007 geschlossen wurden, arbeiten hier noch insgesamt 310 Mitarbeiter im Büro, im Forschungs- und Entwicklungs-Zentrum und im circa 815 Meter langen Walzwerk.

Dort wird Stahl in unzähligen Qualitäten, Durchmessern und Formen gewalzt. Knüppel von 130 bis 160 mm² werden zu runden und hexagonförmigen Stäben und Walzdraht mit 2,5 Tonnen Coilgewicht verarbeitet. Durchmesser von 15 bis100 mm sind in 0,1 mm-Schritten möglich.

Jetzt aber zu meinem Arbeitsplatz – ich lerne ja schließlich den Beruf der Industriekauffrau.

ArcelorMittal Commercial Bars & Rods France besteht aus fünf Mitarbeitern: zwei Sales Manager und drei kaufmännische Assistentinnen. Zehn Wochen lang war ich Teil dieses Teams und habe neben dem alltäglichen Geschäft einer kaufmännischen Assistentin auch die Verbindung zwischen den europäischen ArcelorMittal-Werken für Langprodukte und dem französischen Verkaufsbüro entdeckt.

Das Verkaufsbüro in Gandrange gehört zur Business Unit North. Das heißt, es vertreibt Produkte von ArcelorMittal Hamburg und Duisburg (Deutschland), Warschau und Sosnowiech (Polen), Zumarraga und Verina (Spanien), Ostrava (Tschechien) und Gandrange (Frankreich) ausschließlich an luxemburgische, belgische und französische Kunden.

Oft werden bei den genannten Werken Knüppel eingekauft, um sie im Walzwerk des LCB weiter zu verarbeiten, bevor sie an den Kunden geliefert werden. Aber egal welchen Weg der Stahl auch geht, ob direkt vom Werk an den Kunden oder mit einem Zwischenstopp zum Walzen, die kaufmännischen Assistentinnen und Assistenten verfolgen jede Bestellung und sind Ansprechpartner (und gelegentlich auch “Konfliktlotse“) für alle Probleme und Fragen. Aufgabe ist es immer, zwischen den Parteien zu vermitteln und die bestmögliche Lösung zu finden.

Bevor ich mich mit diesen Vorgängen beschäftigen konnte, musste ich erst einmal grundlegendes Fachvokabular auf Französisch lernen. Frei nach dem Motto „Learning by doing“, geht das am besten vor Ort.

Dieses Praktikum hat mir die Möglichkeit geboten, meine Französischkenntnisse - sowohl auf fachlichem Niveau als auch im alltäglichen Sprachgebrauch - zu verbessern, Kontakte in Frankreich aufzubauen und einen Überblick über die Werke von ArcelorMittal Europe – Long Products zu erhalten. Darüber hinaus stellen die persönliche Entwicklung und der interkulturelle Austausch einen weiteren Schwerpunkt dar. Ich habe in jeder Hinsicht sehr viel gelernt. Unter anderem auch, dass die französische Küche allemal eine Erfahrung wert ist. Vor allem die Desserts und die bis zu 400 verschiedenen Käsesorten werden mich sicher noch einige Male hierher verschlagen.

A bientôt.