15.11.2019 | ArcelorMittal Deutschland

Brücken aus Stahl oder Beton – ein Vergleich

Baukosten versus volkswirtschaftliche Kosten

Die Berufsbezeichnung Bauingenieur heißt auf Englisch Civil Engineer – und trifft damit den Nagel auf den Kopf, bedeutet es doch so viel wie: Ingenieur für die Gesellschaft. Denn Bauingenieure planen öffentliche Gebäude, Straßen und auch Brücken, alles für die und zum Wohl der Gemeinschaft. Deshalb sollten neben den Baukosten auch volkswirtschaftliche Kosten sowie die Ökobilanz eines Bauwerkes in die Betrachtung mit einbezogen werden. Genau das ist das Anliegen der Zusammenarbeit von ArcelorMittal-Ingenieuren mit dem Karlsruher Institut für Technologie.

Tim Zinke, Dr.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. und Leiter der Arbeitsgruppe Life-Cycle Engineering an dem Karlsruher Institut, plädiert für eine ganzheitliche Bewertung von Brückenlösungen. Er bezieht in seinen Studien und Seminaren deshalb neben den Ausgaben für die Herstellung auch die Kosten, die während des gesamten Lebenszyklus anfallen, sowie monetarisierte volkswirtschaftliche Effekte wie Stau, Verspätungen und Schadstoffausstöße mit ein, die durch Baustellen entstehen und nicht von den Auftraggebern, sondern von der Gesellschaft getragen werden müssen. Zinke erläutert: „Baustellen verursachen häufig Stau, was wiederum Arbeits- bzw. Lebenszeit, der im Stau Stehenden kostet sowie mehr CO2-Ausstoß und Lärm bedingt. Bepreist man all diese Faktoren, kommt man in Deutschland auf baustellenbedingte Staukosten von 3,2 Milliarden Euro im Jahr. Da ist es verständlich, dass eine wichtige Brücke schneller fertig gestellt werden soll, wenn jeder Tag mehr mit 100.000 Euro Zusatzkosten zu Buche schlagen könnte“, veranschaulicht er.

Und genau das sollte bei der Planung einer Brücke und der Entscheidung, ob diese aus Stahl oder Beton gebaut werden soll, mit berücksichtigt werden. „Wobei keines der beiden Materialien per se bei allen Bauaufgaben die Nase vorn hat, es hängt immer von den Erfordernissen der Brücke ab“, erklärt Zinke. Um dennoch einen Anhaltspunkt zu haben, hat das Institut anhand einer Referenzbrücke – 36 Meter lang, dreispurig – eine Kostengegenüberstellung für eine Stahlverbund- und eine Spannbeton-Überbaubrücke erarbeitet: Bezieht man für dieses Referenzprojekt alle drei Kostenblöcke mit ein, also die Herstellungs-, Lebenszyklus- sowie externe Kosten, schneidet der Stahlverbundbau deutlich besser ab.

Zinke ist es wichtig, den Blick der Ingenieure dafür zu schärfen, immer mehrere Ausführungsvarianten zu vergleichen und unter Einbezug aller Kosten zu betrachten.

In ArcelorMittal sieht er einen guten Kooperationspartner, der bei Produktinnovationen und Fragen zu technischen Details hervorragend unterstützen kann.