Mehr als ein Kunde: ArcelorMittal Marnaval stellt sich den Herausforderungen der Zukunft

Marnaval ist ein Ortsteil der Stadt Saint-Dizier im Osten Frankreichs. An diesem Ort ist alles versammelt, was den Ursprung aller Eisen- und Stahlunternehmen des 17. Jahrhunderts ausmacht: ausreichend Energie in Form des nahegelegenen Flusses La Marne, gleichzeitig gute Voraussetzungen für schweren Lastverkehr Richtung Paris und ein lokaler Arbeitsmarkt.

 


Der direkte Blick ins Werk

Marnaval wurde zum Industriestandort und ist heute das Zuhause von ArcelorMittal Marnaval. Das Unternehmen bezieht Stahl aus Duisburg und gehört zu den führenden Kaltwalzwerken weltweit.

Die Produktion in der Fabrik in Marnaval blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits 1870 wurden erste Produkte aus Stahl hergestellt, damals vor allem Nägel, Geflechte, und Baumatten. Das Produktportfolio wandelt sich im Laufe der Zeit – heute ist ArcelorMittal Marnaval spezialisiert auf Flach- und Profildrähte sowie Kaltstauchdrähte. 25.000 Tonnen produziert das Werk im Osten Frankreichs pro Jahr, 70 Prozent davon gehen in den Export. Die Drähte kommen primär in der Bau- und Automobilindustrie zum Einsatz, vor allem für Wischerarme und Federschienen.

Für Cedric Berthillier, Werksleiter des Standortes, ist es besonders wichtig, dabei immer auf die individuellen Wünsche der Kunden einzugehen: „Wir kümmern uns um Design, Herstellung und Vertrieb maßgeschneiderter Lösungen. Und das mit dem höchsten Maß an Flexibilität.“ Diese Flexibilität entsteht dadurch, dass die Mitarbeitenden eng zusammenarbeiten und viel Know-how mitbringen. „Wir haben eine enge Verbundenheit hier am Standort, jeder kennt jeden“, sagt Berthillier. „Das ist bei 70 Mitarbeiter* innen vergleichsweise einfach.“ Durch die überschaubare Belegschaft sieht Berthillier die Flexibilität des Standortes zudem verstärkt. „Wir haben leidenschaftliche und lösungsorientierte Expert*innen, die nahezu alles möglich machen können.“ Besonders stolz ist der Werksleiter auf das weibliche Know-how in seinem Werk. Sowohl die Leitung des Produktionsmanagements als auch die des Qualitätsmanagements liegen in weiblicher Hand, was in der Stahlindustrie eher selten ist. Auch im Sales- und Marketingteam ist der Frauenanteil in Marnaval hoch.

Aktuell steht ArcelorMittal Marnaval vor einer großen Herausforderung, die wohl viele Industriebetriebe teilen: Nachwuchs. „30 Prozent unserer Belegschaft gehen in den kommenden zwei Jahren in die Rente. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass das Know-how und die Erfahrung weitergegeben werden und am Standort bleiben“, erklärt Berthillier. Es ist nicht einfach, junge Leute für die Arbeit in der Produktion zu gewinnen. Die möglichen Ursachen sieht der Werksleiter vor allem in der mangelnden Sichtbarkeit und Wertschätzung der gesamten Stahlbranche und ihrer Unterbereiche. Er bleibt aber zuversichtlich, dass der Standort diese Herausforderung dank der von der Gruppe getätigten Investitionen und der ehrgeizigen Entwicklungsstrategie des Standorts, die den aktuellen und zukünftigen Mitarbeiter*innen umfangreiche Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten bietet, meistern kann. „Das ist ein Schritt in eine gesicherte Zukunft, davon profitieren wir alle“, sagt Berthillier.

Investiert wurde in neue Roll- und Beschichtungsanlagen, denn für die maßgeschneiderten Lösungen aus den verschiedenen Anwendungsbereichen ist neben einem hohen Maß an Praktikabilität auch die Langlebigkeit der Produkte entscheidend – egal welchen Bedingungen sie ausgesetzt sind. Bei Marnaval werden innovative Korrosionsschutzbeschichtungen von Anfang an miteinbezogen. Das Spektrum reicht dabei von galvanischen Überzügen über spezielle Zink-Aluminium-Legierungsbeschichtungen bis hin zu widerstandsfähigen PET-Umhüllungen – je nach Einsatzort. Unbeschichtet eignen sich die Flach- und Profildrähte auch für elektrolytische Beschichtungen oder Emaillierungen.

Die diversen Möglichkeiten sorgen dafür, dass zu jeder Zeit ein hohes Maß an Qualität gewährleistet werden kann – und das hat Priorität. „Marnaval ist bekannt für seine hohes Qualitätsniveau. Das hat jede und jeder bei uns verinnerlicht“, betont der Werksleiter. „Der Qualitätsfokus, die Kunden an erster Stelle und der starke Fokus auf Mitarbeitergesundheit und Sicherheit, das sind die Punkte, die wir in der ArcelorMittal-Gruppe teilen.“ Auch der gute Austausch intern, die Sicherheit bei den Rohstofflieferungen und die gute Organisation weiß man in Marnaval zu schätzen. „Wir sind mehr als nur ein Kunde, wir sind eine Familie“, sagt Berthillier. Für die Zukunft hofft Marnaval auf den Grünen Stahl aus Deutschland und die gemeinsame Arbeit an weiteren Technologien – denn nur so kann die Stahlindustrie langfristig bestehen.


Cedric Berthillier ist der Leiter des ArcelorMittal Kaltwaltwerkes Marnaval.