Übersetzerin Rosemarie Tietze erhielt den Literaturpreis

Erstmals Stahl-Literaturpreis für eine Übersetzerin

Nach den seit 2005 geehrten 13 Schriftstellern, Dichtern und Autoren erhielt am 8. November zum ersten Mal eine Übersetzerin den Stahl-Literaturpreis. Fast jeder hat schon einmal ein Buch gelesen, deren Original in einer anderen Sprache verfasst wurde. Warum werden diese Bücher übersetzt? Man lernt so Neues über andere Kulturen, Motivationen und Handlungen der Menschen in anderen Ländern kennen. Bei literarischen Übersetzungen entsteht meistein neues Werk, geprägt von der Interpretation der Übersetzer.

Mit Rosemarie Tietze erhält 2018 eine der profiliertesten Literaturübersetzerinnen Deutschlands den Stahl-Literaturpreis. „Sie gibt“, so die Begründung der Jury, „russischen literarischen Werken in ihren Übersetzungen eine beispielhafte sprachliche Gestalt und macht sie zu Kunstwerken. Dem Autor verpflichtet, will ihre Übersetzung der sprachlichen Vielfalt des riginals entsprechen. Sie dient somit der Pflege der Vielfalt der deutschen Sprache.“

Differenziert denkende, kritische Übersetzerin

Die Laudatorin Katja Lange-Müller lobt die Preisträgerin als „eine differenziert denkende, kritische Übersetzerin“. Sie sei nicht nur eine der Besten in ihrer Zunft, sondern setzte sich als Vorstandsmitglied im Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke und als Präsidentin des Freundeskreises zur internationalen Förderung der Übersetzer viele Jahre für die Anerkennung ihrer Berufsgruppe ein. Selbst bezeichnet sie ihre Arbeit als Pfadfinderei an der Sprachgrenze. Die Zuhörer konnten sich am 8. November 2018 von ihrer sprachgewaltigen Kunst überzeugen, als Rosemarie Tietze nach der Preisverleihung aus ihrer Neuübersetzunglas.

„Ein Werk mit dem Titel „Krieg im Kaukasus“ hat Lew Tolstoi zwar nie geschrieben. Aber er hat sein Leben lang über die Menschen im Kaukasus geschrieben“, erklärt Rosemarie Tietze. Für ihre Übersetzungen versucht sie sich in die Sprache und Zeit hineinzuversetzen und „die russische Seele“ zu verspüren. Sie studiert dafür die russische Geschichte und Lexika, um auch technische Dinge exakt zu beschreiben, befragt die meist überraschten Literaten, wenn sie noch leben. Auf den Spuren von Tolstoi reiste sie sogar selbst mehrmals in den Kaukasus und beschreitet so immer wieder den „krummen Weg, der eher zum Ziel führt“.