11.02.2021 | ArcelorMittal Deutschland

Stahl in der Anwendung - Ein schwebendes Museum

Das Porsche Museum in Stuttgart


Das Porsche Museum präsentiert sich als architektonisches Meisterwerk. Dank einer stabilen Stahlkonstruktion erstrahlt das Bauwerk im heutigen Glanz.

Das Porsche Museum am Stammsitz in Zuffenhausen bei Stuttgart gehört zu den eindrucksvollsten Automobilmuseen der Welt. Seit 2009 präsentiert das Museum die Geschichte und Faszination der Marke – lebendig und modern, wie das Gebäude, in dem es sich befindet: Ein dynamisch geformter Baukörper, der durch sein fugenloses Design besticht und förmlich im Himmel zu schweben scheint. Das Museum passt sich der Architekturlandschaft seiner Umgebung an, was vor allem auch der verspiegelten Unterfassade zu verdanken ist. Die restliche Fassade besteht aus rautenförmigen Elementen, unter deren Ecken sich Drehteller befinden. So kann die Bewegung des Gebäudes in der Fassade aufgefangen werden – das schafft noch mehr Dynamik und Lebendigkeit.

Die Entscheidung für den spektakulärsten Bau der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG fällt im Juni 2004. Über 170 Architektenbüros aus ganz Europa haben sich mit ihren Entwürfen beworben, überzeugen konnte Delugan Meissl Associated Architects aus Wien. Der Entwurf spiegelt am besten die Vielseitigkeit und Lebendigkeit der Marke Porsche wider und versucht, das Gefühl von Dynamik und Geschwindigkeit, von Statik und Stillstand räumlich erlebbar zu machen. Dies gelingt den Architekt*innen mit Kontrasten und geometrischen Formen, deren bauliche Realisierung zu einer echten Herausforderung wurde. Eine dreidimensionale Stahlkonstruktion brachte letztendlich die Lösung. Für das Tragwerk kamen auch hochfeste HISTAR®-Stähle von ArcelorMittal zum Einsatz. Im Dezember 2008 wurde das futuristische Bauwerk vollendet, einen Monat später, am 31. Januar 2009 öffnete das Museum seine Pforten für die Besucher.

Das Museum am Porscheplatz fällt auf. Der dominante Hauptkörper des Gebäudes scheint über dem Boden zu schweben, getragen wird er nur von zwei V-förmigen und einer weiteren Säule. Dahinter steckt eine tragende Struktur aus einem dreidimensionalen Stahlfachwerk in Verbund mit einer Ortbetondecke. Die Raumfachwerkkonstruktion des Museums ist auf den drei Kernen mit insgesamt fünf vertikalen wie schrägen „Stützenästen“ gelagert. Die Einleitung der hohen horizontalen wie vertikalen Auflagerkräfte in die Kerne aus Stahl- und Spannbeton ist über Last verteilende Stahleinbauteile und hochfesten Betongüten in den tragenden Kernen möglich. Die tragenden Gebäudekerne bestehen aus Stahl- und Spannbeton in Verbund mit selbstverdichtendem hochfestem Beton. Mit einer Länge von ungefähr 160 Metern und einer durchschnittlichen Breite von 70 Metern erreicht der schwebende Oberbau ein Gesamtgewicht von 35.000 Tonnen. Die gesamte Last stützt sich auf drei Pylonen. 60 Meter beträgt die durchschnittliche Spannweite zwischen den tragenden Kernen. Diese maximalen Spannweiten konnten durch die enge Anlehnung an statische Prinzipien aus dem Brückenbau realisiert werden. Die geometrischen Vorgaben und die Übertragung der Gebäudekräfte in die tragenden Kerne erforderten Ingenieursleistung von höchster Präzision und stellten entscheidende Momente während der Planungs- und Bauphase dar.

Das primäre Konstruktionsmittel beim Bau des Porsche Museums ist Stahl. Die gesamte Konstruktion profitiert von den umfangreichen Vorteilen des Baustoffes und das gewünschte Raumvolumen im Ausstellungsbereich konnte nur durch den Einsatz von Stahllösungen stützenfrei realisiert werden. Vor allem auch bei Fassadenanschlüssen und Haustechnik zeigten sich weitere Vorteile der Stahlbauweise. Insgesamt wurden rund 600 Tonnen Stahl verbaut.

Durch die klare materialbezogene Differenzierung einzelner baulicher Elemente an den Verbindungspunkten ist das Gebäude nahezu gänzlich zerlegbar. Bis zu 98 Prozent des verbauten Stahls sind in ihrer Form wiederverwertbar. Hier kommt der hohe Nachhaltigkeitsaspekt des Baumaterial zu tragen. Nebenbei erfolgte die Planung auch hinsichtlich sozialer und städtebaulicher Aspekte der Nachhaltigkeit.

Heute werden in der einzigartigen Atmosphäre des Porsche Museums fast 100 Fahrzeuge und zahlreiche Kleinexponate ausgestellt. Anhand von Serien- und Motorsportfahrzeugen wird die gesamte Geschichte der Marke in chronologischer Reihenfolge erlebbar. Genauso dynamisch wie das Gebäude ist der regelmäßige Austausch der Exponate und Sonderausstellungen.

Im Gebäude ist nicht nur das Museum beheimatet, sondern auch das Unternehmensarchiv, eine Werkstatt, Restaurants und eine Coffeebar, der Museumsshop, Arbeitsplätze und Eventflächen.