Die Chance: Zukunft ist aus Stahl

In der Ausbildungswerkstatt von ArcelorMittal Bremen herrscht im Februar/März 2016 Hochbetrieb. Neben den Auszubildenden schnuppern seit Anfang Februar auch 15 Schülerpraktikanten, darunter vier junge Geflüchtete, für drei Wochen in die Welt des Stahls hinein. Das Projekt stößt bei allen Beteiligten auf äußerst positive Resonanz.

Die Betreuer erleben die vier Jungen aus Ghana, Somalia und Afghanistan als engagierte und freundliche Jugendliche. Sie haben sichtlich Spaß an der Arbeit und auch in der Pause beim Kickern mit den anderen Azubis. Für den 17-jährigen Samiir ist das Praktikum eine Investition in seine Zukunft und der erste Schritt in Richtung Traumberuf: „Ich möchte Automechaniker werden.“ Jeden Morgen um fünf Uhr steht der junge Somalier auf, um pünktlich bei der Arbeit zu sein. Seit er vor sieben Monaten nach Deutschland kam, besucht er außerdem eine Deutschklasse. In seiner Freizeit spielt er gerne Fußball. 

Die Ausbildungswerkstatt von ArcelorMittal Bremen engagiert sich schon seit langem in sozialen Projekten, bietet beispielsweise Praktika für schwer vermittelbare Jugendliche. Nichtsdestotrotz ist die Arbeit mit den Geflüchteten auch für die Betreuer Neuland, wie Betreuer Michael Gabel erklärt: „Ein wenig mehr Rücksicht müssen wir schon nehmen, besonders wegen der Sprachbarriere. Ich versuche, ruhiger mit den Geflüchteten zu reden, damit sie alles verstehen, und auch einfühlsam mit ihnen umzugehen. Die Jungs haben Schlimmes erlebt – umso schöner ist es dann, sie beim Kickerturnier herzhaft lachen zu sehen.“ Deutsch verstehen die vier 17-jährigen schon sehr gut - wenn es doch einmal Verständigungsprobleme gibt, helfen meist die Azubis mit Englisch weiter. 

Auf diese Weise helfen sich alle Beteiligten gegenseitig und lernen voneinander. „Durch das Praktikum geben wir diesen Jugendlichen die Chance, hier in Deutschland Anschluss zu finden und auch berufliche Perspektiven für sich zu entdecken. Auch wir als Unternehmen profitieren von diesem Projekt, denn durch die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen setzen wir ein Zeichen für Respekt und Toleranz – bei unseren Auszubildenden und in der ganzen Belegschaft“, so Ausbildungsleiter Wolfgang Kästingschäfer. „Integration kann nur dann gelingen, wenn wir die Menschen in die bestehenden Systeme eingliedern. Wir wollen zeigen, dass das geht, indem wir selbst aktiv werden“, erklärt Betriebsratsmitglied Burkhard Löchert. Es geht darum, Vorurteile und Ängste abzubauen: „Wir haben eine Vorbildfunktion, der müssen wir auch entsprechend nachkommen. Es geht hier nicht nur um das Handwerkliche, sondern auch darum, unseren Auszubildenden zu vermitteln, dass es darauf ankommt, was jemand kann – nicht, wo er herkommt.“ 

Abou, Samiir, Mohammad und Baba werden nicht die einzigen Geflüchteten bleiben, die bei ArcelorMittal in Bremen ein Praktikum absolvieren. Insgesamt 16 Jugendliche verschiedener Nationalitäten werden Betreuer Michael Gabel und Michael Toraman noch bis Ende Juli betreuen. 

Entstanden ist das Engagement in Zusammenarbeit mit der Akademie Lothar Kannenberg, die sich unter anderem um unbegleitete Geflüchtete in Bremen kümmert. Voraussetzung für den Praktikumsplatz war ein Mindestmaß an Deutschkenntnissen. In mehreren Respektseminaren bereitete die Polizei Bremen unsere Azubis unter anderem auch auf das Projekt und den richtigen Umgang mit den Geflüchteten vor.