17.01.2019 | ArcelorMittal Duisburg

    Go(for)Kart

    Eine von uns Duisburgern – gesamte Familie im Rennfieber

    Den Rennsport im Blut – das hat die Familie Kalus. Denn schon der Vater von Anja Kalus, Sachbearbeiterin im Einkauf bei ArcelorMittal in Duisburg, baute selbst Autos: Ohne Verkleidung, nur mit einem Überrollbügel aus Rohren, fuhr er damals auf stillgelegten Mülldeponien an den Wochenenden mit seinen Eigenbauten. Auch ihr Mann ist begeisterter Rennsportler. Und Sohn Niklas tritt in die gleichen Fußstapfen: Eher zufällig, während eines Ägypten-Urlaubs, kam nämlich auch der Filius mit dem Motorsport in Berührung. Dort sah er einen Achtjährigen in voller Rennmontur ein Kart besteigen – und wollte das auf der Stelle auch machen. Allerdings war er mit seinen knapp fünfeinhalb Jahren noch zu klein und zu jung dafür. In Ägypten sah man das zum Glück ein bisschen lockerer, der viel zu große Leihhelm wurde etwas unterpolstert und in den Rücken kam ein Paket Einwegsturmhauben, damit der Knirps über das Lenkrad schauen konnte.

    Bereits bei seiner ersten Fahrt fiel Niklas auf, aber nicht wegen dieser etwas unorthodoxen Sicherheitsmaßnahmen, sondern wegen seines Könnens. Denn der Vater des anderen kleinen Kartfahrers, der den Sprössling bei seiner ersten Fahrt beobachtete, wollte wissen, wie lange der Junge schon Kart führe. Die Antwort – seit zehn Minuten – verblüffte diesen, bescheinigte er dem Youngster doch eine sehr gute Linie. Das heißt im Fachjargon, dass die Kurven optimal an- und ausgefahren werden. Im Einzelnen: Eine Kurve wird von außen angebremst, das Lenkrad dann spät eingelenkt, um dann am Scheitelpunkt, dem Apex, von innen wieder anzufahren und unter Beschleunigung aus der Kurve in der richtigen Geschwindigkeit wieder herausgetragen zu werden. Alles klar? Niklas zumindest war es klar, ohne jemals davon gehört zu haben. Er fuhr intuitiv einfach die richtige Linie – da schlug das Gen seiner Vorfahren durch.

    Auf den Spuren der Rennsportlegenden

    Das war der Startschuss seiner steilen Kartsport-Karriere – und die Begleitung durch die Familie. Wieder zuhause erstand der Vater ein gebrauchtes Kart, das er in der Garage überholte und zu Niklas sechstem Geburtstag stolz präsentierte – zur großen Überraschung des Jungen, der davon nichts geahnt hatte. Damit ging es zunächst auf eine Leihkartbahn. Schnell verbesserten sich Niklas Rundenzeiten. Bereits nach kurzer Zeit fuhr er auf der historischen Kerpener Rennstrecke. „Eingefleischte Formel 1 Fans wissen, was das heißt: auf den Spuren der Legenden Michael Schumacher und Sebastian Vettel.

    Diese Rennstrecke gilt als Geburtsstätte der Formel 1 Profis und ist - nur 75 km von seiner Heimatstadt entfernt - nicht nur die Hausbahn von Niklas, sondern auch seine Lieblingsstrecke“, erläutert Anja Kalus, die im Hintergrund die Fäden für das Hobby des Sohnes zieht. Zuvor musste der Sohn aber erst noch eine Lizenz erwerben. Mit sechs Jahren natürlich noch nicht des Schreibens mächtig, hatte die Prüferin ein Einsehen und hielt einen Teil der Prüfung mündlich statt schriftlich ab. Führerschein mit 17 – darüber kann Niklas deshalb nur lachen, absolvierte er doch als einer der jüngsten Führerschein- bzw. Lizenz-Besitzer unzählige Rennen: angefangen in der Bambini Light Klasse, in der die Motoren noch gedrosselt sind, später dann in der Bambini Klasse, in der schon mit 10 PS Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h erreicht werden. Und die Familie fiebert mit – bei jedem Rennen, an vielen Wochenenden, ob im Urlaub oder in der Freizeit. „Um erfolgreich im Rennsport zu sein, müssen alle mitmachen und an einem Strang ziehen, anders hätte es Niklas auch nicht geschafft bereits im Alter von 11 Jahren zu den besten 10 Nachwuchspiloten in Deutschland zu zählen“, erläutert Anja Kalus.

    Viel Organisation und finanzielle Mittel

    Zudem ist viel Organisationsgeschick gefordert. Entsprechend sind auch die Aufgaben in der Familie aufgeteilt: Der Vater kümmert sich als „Schrauber“ um alle technischen Belange rund um das Kart, Anja Kalus ist dagegen für das organisatorische Drumherum zuständig – ein Leichtes für die gelernte Bürokauffrau, die 1985 - noch zur Thyssenzeit – bei dem Unternehmen ihre Ausbildung begonnen hat und direkt danach in Ruhrort viele Jahre im Qualitätswesen tätig war. 2005 nahm sie dann ein Jahr Erziehungszeit, um danach zunächst in Teilzeit wieder in ihre frühere Abteilung zurückzukehren. Zwei Jahre später wechselte sie dann zum Einkauf, um hier, ebenfalls in Teilzeit, als Sachbearbeiterin zu arbeiten. „Bei beiden Jobs muss ich Termine koordinieren, im Job Meetings, in der Familie Rennen für meinen Sohn. Organisieren macht mir Spaß, und ich freue mich, den Motorsport als Familientradition weiterführen zu können, indem ich meinen Sohn unterstütze“, lacht Kalus. Das macht sie gerne, begeistert sie doch „die Geschwindigkeit und Präzision, mit der selbst die jüngsten Piloten ihre Karts am Limit bewegen, die hohe Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit der Fahrer und dass bekanntlich ein Rennen erst nach dem Fallen der Zielflagge beendet ist, das alles macht den Rennsport für mich so faszinierend“, ergänzt sie.

    Aber neben der vielen Zeit, die ein solches Hobby fordert, gehört auch eine größere Geldsumme dazu. Auch hier steht nicht nur die gesamte Familie hinter Niklas, denn ohne „Sponsor Oma“ sowie Gönner aus dem Bekanntenkreis würde nichts gehen. „Wuchs“ das Talent doch sprichwörtlich in die Juniorklasse, sodass der Umstieg auf ein größeres Chassis unvermeidbar war. Und da ist der Preisunterschied zu einem Kleinwagen dann auch nicht mehr so groß.

    Bis zu 4g

    Aber nicht nur der Preis, auch die Kräfte, die auf das Kart einwirken, steigen, denn die Fahrzeuge der Juniorklasse fahren mit ihren 30 PS bis zu 130 km/h. Durch den niedrigen Schwerpunkt des Karts - der Fahrer sitzt nur wenige Zentimeter über dem Boden – werden hohe Kurvengeschwindigkeiten erzielt. Dann wirken bis zu 4g auf den Fahrer, wobei g für die Gravitationskraft steht. 4g bedeutet, dass die vierfache Kraft der Erdgravitation auf den Körper einwirkt. Mehr als 5g hält der menschliche Körper nicht aus, ohne dass man ohnmächtig wird. Bei einem dieser Rennen verletzte sich Niklas aufgrund eines Unfalls an den Rippen. Vom Arzt unerkannt, verschleppte er die Verletzung bis zur Fraktur, was ihn in der Saison 2017 ein Jahr seiner Rennkarriere kostete. Doch dank der Unterstützung seiner Familie und seines Rennteams konnte Niklas 2018 wieder ins Renngeschehen zurückkehren. Zudem fand die Familie durch einen anderen Rennsportvater den richtigen Rippenschutz, der individuell an den Körper angepasst wurde.

    Ziel: Berufsfahrer

    Die Planung für 2019 ist in vollem Gange und der Ehrgeiz des Fahrers ist ungebrochen. Denn sein Ziel, ein Berufsrennfahrer zu werden, hat er weiter fest im Visier. Zumindest für die Logistik ist man schon gerüstet, ist die Familie schon seit Jahren auf ein Wohnmobil als Transport- und „Wohn“mittel für die Rennen umgestiegen.

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